Die Leonhardikirche Teil 2
Vorweg eine kurze Bemerkung zum dümmlichen Kommentar, den ersten Bericht von der Leonhardikirche abgeschrieben zu haben: Nachdem ich Jahrgang 1945 bin und infolge dessen auch nicht im Mittelalter gelebt habe, musste ich natürlich auf verschiedene geschichtliche und kunsthistorische Quellen zurückgreifen. Mir ging es darum, aus verschiedensten Quellen das Wichtigste herauszufiltern und zur besseren Orientierung mit Bildern zu versehen. Ich bitte um Verständnis.
Allgemeines zum Baustil der Gotik
Am
besten lassen sich die Merkmale der Gotik an der Sakralbaukunst der Kathedralen
verdeutlichen. Die gotischen Baumeister strebten ins
Riesenhafte. Eine Kathedrale galt als größtes, höchstes und prächtigstes
Gebäude – sie war ein Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in einer
mittelalterlichen Stadt. Um die Rekordhöhen möglich zu machen, musste zuvor
eine Technik gefunden werden, die es erlaubte: das Strebewerk. Diese Bauweise ermöglichte es, auf die tragende
Funktion der Wände zu verzichten. Im Unterschied zur Romanik,wo eine massive
Wand die Lasten des Gebäudes tragen musste, wurde in der Gotik das sogenannte
innere und äuβere Strebewerk benutzt. Im Kircheninnenraum laufen Pfeiler vom
Boden bis zum Gewölbe durch und finden ihre Fortsetzung im Kreuzrippengewölbe. Die Kreuzrippen tragen das Gewölbe und leiten
den Gewölbedruck zu den Pfeilern. Das äuβere Strebewerk benutzt als Mittel der
Stabilität ein System von Strebepfeilern
und Strebebögen. Die Strebebogen
verbinden die Pfeiler mit der Wand, damit die Lasten auf den Pfeiler übertragt
werden können.
Diese Lastenübernahme von der Wand
ermöglicht riesige Fenster. Die sind
schmal, groβ und oft farbig. Der Zwickel
wird mit oft kunstvollem Maßwerk
gefüllt. Das Maßwerk ist ein wichtiges Schmuck- und Gliederungselement der
Gotik und besteht meistens aus Kreisen und Rundstäben. Man findet aber unter
den Fensterbögen auch kleine, kleeblatt-förmige, eingesetzte Bogenspitzen.
Die Leonhardikirche ist eine dreischiffige spätgotische
Basilika mit langgestrecktem Chor und bei einer Länge von 48 und einer
Breite von 21 m eine der größten Kirchen des Landes. Der Bau war
jedenfalls nur möglich infolge des reichen Bergsegens und der Aufteilung
der Baukosten auf das Hochstift Bamberg, die Gewerken und die
Pfarrgemeinde.
In den Kirchhof führt ein 1645 von Hans Schmitzberger errichtetes spätmanieristisches Friedhofsportal. Es ist um ein rundbogiges Quaderportal mit Volutenschlussstein, gesprengtem Giebel und drei Obelisken
Die talseitige Südfassade ist
aufwändiger gestaltet als die Nordfassade. Die niedrigeren Seitenschiffe
werden von Strebepfeilern gestützt. An der Südseite befinden sich oberhalb des Mittelschiffes drei kleinere und an der Chorwand über der Sakristei
zwei größere Rosettenfenster. Der Chor besitzt zweistufige Strebepfeiler mit Fialenabschluss und Blendfenster mit Spitzgiebeln über der unteren Abdachung. Im
südlichen Chorwinkel ist eine niedrige Sakristei angebaut.
Der französischen Gotik entlehnt ist der frei gespannte Strebebogen über die Sakristei, der in Kärnten einzigartig dasteht. Nach der Pfarrchronik erzählten alte Leute, der Meister habe sich nicht getraut ihn zu spannen, wohl aber der Lehrling, der aber das Wagnis durch einen Sturz in die Tiefe mit seinem Leben bezahlte. Beachtung verdienen auch die beiden aus Stein gemeißelten Figuren der Heiligen Leonhard und Laurentius, der Kirchenpatrone unter gotischen Baldachinen am Strebepfeiler.
Das Südportal mit einer Freitreppe hat ein mehrfach profiliertes
Spitzbogengewände, das von zwei hoch aufragenden Fialtürmchen mit Krabben und Kreuzblume umrahmt und von einem mit zentraler Fensterrose und weiterem Maßwerk ausgestatteten Wimberg bekrönt wird. Die Darstellung des Heiligen Hauptes in der Rosette stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Der mächtige Kirchturm in der Westfassade wurde um 1485 erbaut, der
Turmabschluss 1930, geplant von Karl Holey, nach alten Ansichten
rekonstruiert. Das Glockengeschoss besitzt je zwei Schallöffnungen mit
Segmentbögen und um das Pyramidenspitzdach vier vorkragende Eckerker mit
Kegeldächern. Über dem Westportal des Turmes ist ein großes
Spitzbogenfenster mit reichem Maßwerk erhalten.
An der Südwand sind die Reste eines Vorgängerbaues: Konsolskulpturen einer nymphenartigen Gestalt und die Evangeliensymbole
Stier und Löwe eingemauert.
Das spitzbogige, gotische Westportal mit
einer im 17. Jahrhundert errichteten Freitreppe besitzt eine
eisenbeschlagene Tür mit Schießlöchern.
Die Kirche ist von einer Leonhardskette umgeben, die 1910 - 1912
geschmiedet wurde. Die ursprüngliche Kette wurde ca. 1480 von einem in
türkische Gefangenschaft geratenen und wieder freigelassenen Bauern
gestiftet. Diese Kette umschlang die Kirche zweimal und wurde in der
Zeit Josefs II entfernt.
Von den Grabsteinen an der südlichen Außenseite der Kirche befindet sich der wohl älteste am linken Aufgang zum Südportal. Die Granitplatte zeigt in schlichter linearer Umrisszeichnung ein großes Kreuz, das beiderseits des Längsbalkens von den Bergnannszeichen Hammer und Kelle umgeben wird. Bis etwa 1905 diente der Stein, von dem man annahm, dass er von einem der mit dem Teufel verbündeten Menschen stamme, vor dem Friedhofstor als Sitzbank.
Als weiteres Grabmahl von Bedeutung ist jenes von Wolfgang Aschinger, bambergischen "Kastners und Ratsbürgers" und seiner Gemahlin Zellnerin zu bezeichnen. Der Wappenstein aus dem Jahr 1548 zeigt das Bildnis der beiden Verstorbenen, bekrönt von einem Prunkvoll ausgeführten Wappenschild.
Daneben befindet sich noch die Grabplatte des 1759 verstorbenen Stadtpfarrers Protonotarius Apostolicus Andreas Lackner. Über der Inschrift befindet sich die Darstellung des Jungen mit seinem Herzblut ernährenden Pelikan und im Wappenaudsatz ein Kelch (Sinnbild für Christus).
Am ersten Strebepfeiler des Chorabschlusses befindet sich der Stiftergrabstein des bambergischen Verwalters und Kastners Konrad Popp, mit einem Relief der siebenköpfigen
Familie unter dem Kruzifixaus dem Jahr 1593.
Der Karner:
Der romanische Karner nordöstlich der Kirche, ist ein zweigeschossiger Rundbau mit Kegeldach
aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts mit einem profilierten
Rundbogenportal, einem Maßwerkfenster und kleinen Rundbogenfenstern,
einem vieleckigen Dachgesims. Im Untergeschoss befindet sich die
Beinkammer, im Obergeschoss eine Kapelle mit einem 1654 geweihten Altar.
Im Altarschrein steht eine plastische Darstellung des mit einem Drachen
kämpfenden heiligen Georgs. Am Antependium ist eine
Abendmahldarstellung gemalt.
Fortsetzung folgt